Hallo ihr Lieben! Nachdem  nun schon so viele Applikationsvorlagen in meinen Shop bei DaWanda und Makerist eingezogen sind, möchte ich euch gern mit einem Tutorial gern die Scheu oder Angst vorm Applizieren nehmen. Das ist nämlich gar nicht so schwer, wenn man ein paar Tipps und Tricks kennt.  Außerdem sind die Applikationsvorlagen von Frau Fadenschein mit einer detaillierten Schritt-tür-Schritt-Anleitung versehen, so dass ihr genau wisst, welches Schnittteil ihr wann aufbringen müsst.

DAS BENÖTIGST DU:

  • eine Nähmaschine mit Zickzack-Stich (wenn du hast, ein durchsichtiges Applizierfüßchen)
  • Bügeleisen & Bügelbrett
  • Drucker
  • Applikationsvorlage
  • Schere für Stoff und eine kleine, scharfe Schere
  • Bleistift oder Trickmarker
  • Vliesofix (doppelseitig klebendes Bügelvlies)
  • Stickvlies (zum ausreißen)
  • verschiedene Stoffe
  • farblich passendes Nähgarn

DIE STOFFAUSWAHL:

Generell eignen sich fast alle Stoffe zum Applizieren. Bei der Auswahl kommt es darauf an, wofür die Applikation sein soll und wie viel Näherfahrung du schon hast. Für Anfänger ist das Applizieren mit Baumwollstoffen am einfachsten. Du kannst aber auch Sweat-, Jersey-, Interlock-, Nicky-, Fleece-, oder Frotteestoffe verwenden. Deiner Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Ich sammle die kleineren Reste meiner Nähprojekte in einer separaten Kiste und krame sie für meine Applikationen wieder heraus. So finden auch sie noch eine schöne Verwendung.

Ganz wichtig bei allen dehnbaren Stoffen (wie Sweat, Jersey, Interlock, Nicky, Fleece etc.) ist die Verwendung von Stickvlies. Es wird unter den Grundstoff gelegt und verhindert ein Verziehen des Stoffes. Aber auch bei Baumwollstoffen solltest du nicht auf Stickvlies verzichten.

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DIE STICHWAHL:

Ich verwende für meine Applikationen am häufigsten den Geradstich (1). Da ich viel mit Jersey appliziere ist das auch kein Problem, da der nicht ausfranst. Für Baumwolle ist der Zickzack-Stich (2) besser geeignet, denn mit ihm werden die Stoffkanten eingefasst. Ein Ausfransen wird so verhindert. Einige Nähmaschinen bieten außerdem einen Applikationsstich (3) an, auf den ich hier aber nicht näher eingehe. Sehr kleine Teile oder Details wie Münder, Nasen, Fühler, Schnurrhaare etc. nähe ich von Hand mit dem Steppstich.

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Beim Geradstich stelle ich mir immer eine sehr kleine Stichlänge ein. So kann man auch bei filigranen Teilen präzise arbeiten.

Beim Zickzack-Stich verwende ich eine Stichbreite zwischen 3 und 3,5 und eine Stichlänge zwischen 0,7 (geringere Stichdichte) und 0,4 (hohe Stichdichte). Das ist aber Geschmacksfrage. Am besten du probierst es an einem Probestück bis dir die Einstellungen deiner Maschine gefallen.

Beim Steppstich wird von unten durch den Stoff ausgestochen (1). Dann die Nadel um die gewünschte Stichlänge einstechen (2) und um die doppelte Stichlänge vorgehen und wieder ausstechen (3). Für die darauffolgenden Stiche jeweils eine Stichlänge zurückgehen, einstechen, eine doppelte Stichlänge vorgehen und wieder ausstechen.

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JETZT KANN ES LOSGEHEN:

Anhand eines Beispielmotivs erkläre ich dir alle Arbeitsschritte, die zum Applizieren nötig sind. Die Tipps und Hinweise sind allgemein gültig und können auf jede Applikation übertragen werden.

Schritt 1: Motiv Ausdrucken

Bitte beim Drucken darauf achten, dass du bei 100% Größe druckst und keine Seitenanpassung eingestellt hast. Auf meinen Vorlagen findest du ein Kontrollquadrat, welches du nach dem Ausdruck abmessen kannst. Wenn es auf dem Ausdruck genau 3 x 3 cm groß ist, hast du alles richtig gemacht.

Natürlich kannst du die Vorlage auch nach deinen Wünschen verkleinern oder vergrößern.

Beachte aber: Je kleiner das Motiv, um so kniffeliger wird das Applizieren.

Schritt 2: Motiv übertragen

Lege das Vorlagenblatt unter das Vliesofix. Nun kannst du ganz einfach alle Einzelteile des Motivs mit Bleistift auf die Papierseite des Vliesofix übertragen.

Achtung: Meine Vorlagen sind schon gespiegelt, damit die Motive beim Übertragen auf den Stoff seitenrichtig sind!

Schritt 3: Einzelteile grob ausschneiden

Jetzt schneidest du alle Teile grob aus. Um den Überblick nicht zu verlieren ist es hilfreich, die Einzelteile zu beschriften (z.B. Kopf, Fuß, Auge…)

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Schritt 4: Einzelteile aufbügeln

Nun werden die grob ausgeschnittenen Teile mit der rauen Klebeseite nach unten auf die linke Seite des gewünschten Stoffes gebügelt. Beachte dabei den Fadenlauf.

Lass das Bügeleisen vorher erst richtig heiß werden (Einstellung: auf Baumwolle, ohne Dampf). Achte darauf, dass das Vliesofix überall gut anhaftet. Bei empfindlichen Textilien kannst du zum Schutz vor Stoffschäden ein Tuch oder Backpapier zwischen Stoff und Bügeleisen legen.

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Schritt 5: Teile exakt ausschneiden

Aus dem durch das Vliesofix stabilisierten Stoff kannst du jetzt alle Einzelteile sorgfälltig ausschneiden. Verwende für kleine oder filigrane Teile eine scharfe Nagel- oder Handarbeitsschere.

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Schritt 6: Motiv auf dem Trägerstoff (Shirt) positionieren

Als erstes ziehst du von allen Einzelteilen vorsichtig das Schutzpapier ab. Die Klebeschicht des Vliesofix haftet an der Stoffrückseite. Danach kannst du die Teile auf dem Trägerstoff positionieren.

Für eine exakt mittige Anordnung halbierst du den Stoff mittig und bügelst einmal darüber. So entsteht eine Falte an der das Motiv ausgerichtet werden kann. Natürlich kannst du die Mitte auch mit Stecknadeln markieren.

Damit das Motiv exakt so aussieht wie auf der Vorlage, ist es hilfreich, diese beim Positionieren daneben zu legen.

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Schritt 7: Festbügeln

Wenn das Motiv aus mehreren Schichten und vielen Einzelteilen besteht, werden zunächst erst die unten liegenden Teile platziert, festgebügelt und genäht. Alle weiteren Teile werden nur zur Probe mit aufgelegt und danach wieder entfernt. Es wird also in mehreren Schichten aufgebügelt und genäht.

Wenn die Teile richtig liegen, können sie festgebügelt werden. Setze dafür das Bügeleisen kurz auf den Stoff (nicht hin und her schieben), um die Teile grob zu fixieren. Wenn sie haften kannst du wie gewohnt bügeln. Prüfe dabei, ob auch wirklich alles fest klebt.

Bei empfindlichen Stoffen auch hier wieder ein Tuch dazwischen legen.

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Schritt 8: Aufnähen

Als Erstes legst du ein Stück Stickvlies (etwas größer als das Motiv selbst) unter den Stoff an die Stelle des Motivs. Es dient vor allem bei dehnbaren Stoffen als Stabilisierung. Das Stickvlies nicht mit Nadeln fixieren! So kann der Stoff bei Bedarf immer wieder glatt gestrichen werden und es wellt sich nichts. Nach dem Nähen kannst du das Vlies vorsichtig ausreißen.

Es gibt 2 Möglichkeiten die einzelnen Motivteile auf den Trägerstoff zu nähen:

Applizieren mit Geradstich:

Dieser Stich eignet sich vor allem für Jerseystoffe, da diese nicht ausfransen.

Ich wähle hier immer eine kleine Stichlänge, um auch bei sehr kleinen Motivteilen präzise arbeiten zu können (Fadenspannung bei 3-4). Du nähst hier immer innerhalb der Applikation. Steche die Nadel so nah wie möglich am Rand ein und umnähe das Motivteil  knappkantig (siehe Abbildung).

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Applizieren mit Zickzack-Stich:

Wähle eine Stichbreite zwischen 3 und 3,5 und eine Stichlänge zwischen 0,7 (geringere Stichdichte) und 0,4 (hohe Stichdichte). Bei kleinen Teilen kannst du die Stichbreite auch noch weiter verringern. Teste an einem Probestück die Einstellungen bis sie deinen Wünschen entsprechen. Die Fadenspannung liegt bei 3-4. Wenn du jetzt anfängst das Motiv aufzunähen, achte darauf, dass die Nadel beim rechten Stich genau an der Kante in den Trägerstoff einsticht und beim linken in den Stoff der Applikation (siehe Abbildung).

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Achtung: Bei Teilen (z.B. Arme, Beine, Haare), die optisch hinter einem anderen Teil liegen sollen, wird ein kleiner Überstand an der Verbindungsstelle zum angrenzenden Teil gelassen, sodass das untere Teil vom darüber liegenden Motivteil leicht überdeckt wird bzw. beim Applizieren keine unschönen Lücken entstehen, durch die der Trägerstoff (Shirt) durchblitzen könnte. Der Überstand ist in meinen Vorlagen schon mit eingerechnet.

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Die Nähgeschwindigkeit solltest du immer der Größe und dem Schwierigkeitsgrad der einzelnen Teile anpassen. Wenn du noch nicht so viel Erfahrung beim Applizieren hast, nähe lieber etwas langsamer.

An schwierigen Stellen kannst du auch nur mit dem Handrad arbeiten.

Während des Nähens den Stoff vorsichtig drehen. Bei extremen Richtungsänderungen wie Ecken und engen Kurven die Nähmaschine anhalten, die Nadel in den Stoff senken, das Nähfüßchen anheben, den Stoff in die richtige Position bringen und vorsichtig weiter nähen.

Die Anfangs-und Endfäden nicht abschneiden. Sie werden hinterher mit einer Nadel nach innen gezogen und verknotet, damit die Naht nicht wieder aufgeht. Mache das bei Applikationen, die aus vielen Teilen bestehen, nach jedem aufgenähten Teil. So wird ein Fadenwirrwarr verhindert.

Schritt 9: Stickvlies ausreißen

Jetzt kannst du das Stickvlies von der Rückseite des Trägerstoffs entfernen indem du es vorsichtig ausreißt.

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Schritt 10: Deteils aufsticken

Wenn die Vorlage Details wie Münder, Wimpern, Fühler, Schnurrhaare etc. enthält, kannst du sie nun mit Hand aufsticken. Dazu eignet sich zum Beispiel der Steppstich.

Wie bereits zu Anfang erklärt, wird von unten durch den Stoff ausgestochen. Dann die Nadel um die gewünschte Stichlänge einstechen und um die doppelte Stichlänge vorgehen und wieder ausstechen. Für die darauffolgenden Stiche jeweils eine Stichlänge zurückgehen, einstechen, eine doppelte Stichlänge vorgehen und wieder ausstechen.

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Fertig!

Und wenn das erste Probestück nicht ganz so perfekt ist, hab Geduld und gib nicht gleich auf. Mit der Zeit und etwas Übung wirst du sehen, dass Applizieren gar nicht so schwer ist und viel Spaß macht.

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2 Kommentare für “Das 1 x 1 des Applizierens | allgemeine Tipps und Tricks”

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